Familienstellen / Familienaufstellung

Jeder von uns schreibt in seinem Leben seine ganz eigene, individuelle Geschichte.
Und doch sind wir auch alle eingebunden in die Geschichte unserer Vorfahren.
Die Mehrgenerationenfamilie ist dabei das kräftigste Beziehungsgeflecht, in das wir Menschen geraten können. Mit manchen unserer Ahnen sind wir im Guten mit Liebe und Kraft verbunden. Oft sind wir jedoch mit dem Schicksal unserer Vorfahren auf uns belastende Art und Weise verstrickt, häufig sogar unbewusst. Diese Verstrickungen können die unterschiedlichsten Auswirkungen auf uns und unser Leben haben. Sie reichen von körperlichen Symptomen, Blockaden, Misserfolg und Angst über uns belastende Denk- und Verhaltensmuster, bis hin zu dem Grundgefühl, das Leben nicht voll und erfüllt leben zu können.

Mit der Methode des Familienstellens gelingt es uns, diese Schicksale, traumatischen Ereignisse oder übernommenen Gefühle in unserem System zu erkennen, den Bezug zu uns zu verstehen und neu zu sortieren. Familienaufstellungen sind eine kraftvolle Methode zur eigenen Weiterentwicklung und bieten die Möglichkeit, unsere bisherigen Sichtweisen
zu erweitern, zu ergänzen, und oftmals auch zu korrigieren.

Familie im Gegenlicht

Eine Aufstellung ist hilfreich bei:

  • Wiederkehrenden Symptomen, chronischen oder akuten Belastungen psychischer und körperlicher Art
  • Unglücklichen Partnerschaften / langem Single-Dasein / unerfülltem Kinderwunsch / schwierigen Beziehungen zu Familienmitgliedern
  • Erlittenen Traumata wie a. Monotrauma z.B. infolge eines schweren Unfalls b. sequenziellen Traumata z.B. infolge wiederholter Gewalterfahrung c. frühkindlichem Entwicklungstrauma d. mehrgenerational übertragener Traumaerfahrung wie z.B. infolge von Krieg oder Flucht
  • Beruflichen Problemen / Erschöpfungsymptomen / langer Arbeitslosigkeit
  • Wiederkehrenden belastenden Grund- und Verhaltensmustern
    (z.B. Entscheidungsschwäche, „dem Glück im Wege stehen“, destruktive Glaubenssätze, den eigenen Platz nicht finden)

Was heißt systemisch?

Die Aufstellungsarbeit wurzelt in der seit 2008 wissenschaftlich anerkannten Systemischen Therapie. Ausgangspunkt des Systemischen Ansatzes ist die Annahme, dass das Verständnis und die Lösung von Problemen in einem familiären, generationenübergreifenden Zusammenhang zu finden ist. Im Vordergrund stehen hier Beziehungsprozesse zwischen Familienangehörigen, die für Veränderungs- und Lösungswege des Einzelnen von Bedeutung sind. Diese Beziehungsprozesse werden über eine Aufstellung visuell sichtbar gemacht und sind damit auf einer weiteren Ebene für den Klienten erfahrbar.

Die Dynamik innerhalb des Systems Familie lässt sich gut mit den Bewegungen eines Mobiles vergleichen. Kommt es an einer Stelle zu Veränderungen, kann dies bis zu unserer Position durchschwingen und wiederum positive oder auch belastende Auswirkungen auf uns haben.


Wie läuft eine Aufstellung ab?

Der Aufstellende kommt mit einem bestimmten Anliegen und teilt dies dem Leiter mit.
In einem kurzen Vorgespräch innerhalb einer Gruppe stellt der Leiter relevante Fragen zu diesem Anliegen wie z.B. Fakten aus der Familie.

Der Aufstellende sucht sodann aus der Gruppe Stellvertreter für die Personen, die für die
Darstellung seines Problems relevant sind. Er sucht auch einen Stellvertreter für sich selbst aus. Danach stellt der Aufstellende die Stellvertreter in einem geschützten Raum auf und bestimmt dabei selbst Nähe, Distanz und Blickrichtung. Die Stellvertreter nehmen dann erstaunlich präzise die Gefühle der Personen wahr, für die sie stehen. Sie entwickeln auch sehr schnell ein Gespür für die Beziehungen und Distanzen zu den anderen Stellvertretern.
Der Leiter befragt die einzelnen Stellvertreter nach Ihren Wahrnehmungen, schlägt Sätze vor oder geht mit dem, was sich gerade zeigt.

Durch die Äußerungen und Empfindungen der Stellvertreter wird für den Aufstellenden sichtbar, welche Dynamik hinter seinem Problem steht, welche Verbindungen und Verstrickungen zwischen den Personen wirken und welch neue Richtung für ihn lösend und heilsam ist.
Hierbei geht es weniger um rationales Verstehen, als vielmehr um das Wirken lassen neu gewonnener Informationen, des Prozessverlaufs und v.a. des Unterschieds von Anfangs- und Endbild der Aufstellung.

Gegen Ende der Aufstellung nimmt der Aufstellende den Platz ein, den sein Stellvertreter zuvor für ihn eingenommen hat und kann so wesentliche Veränderungen noch selbst vollziehen. Dadurch wird eine Integration auch auf emotionaler Ebene ermöglicht.

Eine Aufstellung dauert in der Regel zwischen 45 und 60 Minuten, kann aber in manchen Fällen länger oder kürzer dauern.


Aufstellungsarbeit als Traumabewältigung

Aufstellungsarbeit kann meines Erachtens nur dann verantwortungsvoll durchgeführt werden, wenn der/die Aufstellungsleiter(in) ein fundiertes Wissen und tiefgreifendes Verständnis von der Entstehung, dem Erscheinungsbild und der Bewältigung von Traumata hat.

Traumata haben (auch) in Aufstellungen ganz unterschiedliche Gesichter.

Der Weg der Traumabewältigung erfolgt in Aufstellungen über die Dynamik, die dem Geschehen zugrunde liegt und muss von Aufstellung zu Aufstellung neu gefunden werden. Oftmals hängt sie von verschiedenen Faktoren und sich daran anschließenden Fragen ab. Diese können u.A. sein:

  • Um was für ein Trauma handelt es sich?
  • Bei frühkindlicher Bindungsstörung: Wie kann kindliche Sehnsucht und daraus resultierende Enttäuschung gegenüber der/dem Mutter/Vater zur Ruhe kommen?
  • Über welche Resilienz verfügt der Betroffene und welche Ressourcen finden sich in seinem Familiensystem? Wie kann er sich damit wieder verbinden?
  • Wie wurde mit Fragen zu Schuld und Scham im Familiensystem des Betroffenen umgegangen?

Was ist Somatic Experiencing?

Somatic Experiencing® ist eine körperorientierte Methode zur Auflösung von Traumata und chronischem Stress. Sie wurde von Dr. Peter Levine entwickelt und über Jahrzehnte erforscht. 

In akuten Gefahrensituationen stehen uns Menschen drei grundlegende, physiologisch angeborene  Selbsthilfereaktionen zur Verfügung: Kampf, Flucht und Erstarrung. Ein schwerwiegendes Ereignis wird dann als traumatisch erlebt, wenn weder Kampf noch Flucht möglich sind oder nicht vollendet werden können. Es kommt dann zur Erstarrung (Dissoziation).

Nach dem Ansatz von Somatic Experiencing® bleibt die für den Überlebenskampf mobilisierte Energie und Anspannung im Körper erhalten, da der vom autonomen Nervensystem automatisch initiierte Reaktionsablauf „Kampf oder Flucht“ unterbrochen wurde. 

Ziel dieser Methode ist es, den Betroffenen dabei zu unterstützen, dass sein Nervensystem in einem sicher gehaltenen Rahmen korrigierende Erfahrungen machen kann. Es handelt sich um eine sanfte und achtsame Vorgehensweise, bei der das traumatische Ereignis weder benannt noch erinnert werden muss, weil der Fokus auf den sog. impliziten Erinnerungen (Körpererinnerungen) liegt. Diese Körpererinnerungen können z.B. als Bilder, Stimmungen, Körperempfindungen oder Bewegungsimpulse auftauchen, denen man sich dann im Gesprächsverlauf dahingehend widmet, dass der Betroffene diese vollendet oder neu verarbeitet. 

Die Art und Weise dieser physiologischen Neuverarbeitung ist individuell sehr verschieden und folgt entlang dem Weg der impliziten Erinnerungen/inneren Bilder des jeweils Betroffenen. Auf diese Weise entsteht nach und nach die Fähigkeit zu mehr Selbstregulation, Selbstwirksamkeit und v.a. natürlicher  Schwingungsfähigkeit jenseits der Extreme hyperaktiv/angespannt oder untererregt/gefühlsarm.

Ich habe mich dreieinhalb Jahre in der Methode Somatic Experiencing® zur Auflösung von Traumata ausbilden lassen. Dieses Wissen und v.a. die damit verbundene achtsame und wertschätzende Haltung dem Betroffenen und seiner Geschichte gegenüber bilden den Boden meiner Arbeit.

Wenn Sie sich durch diesen Abschnitt angesprochen fühlen, halte ich es für sinnvoll, vor einer geplanten Aufstellung Kontakt zu mir aufzunehmen und ggf ein Beratungsgespräch zu vereinbaren.


Systemaufstellungen / Organisationsaufstellungen

Eine Familie ist zweifelsohne das bekannteste System, das sich mit der Methode der Aufstellungsarbeit darstellen lässt. Doch obwohl Familien und andere Systeme grundsätzlich unterschiedlichen Organisationsprinzipien folgen, lassen sich – unter Beachtung der Verschiedenheiten – auch Teams, Projektgruppen oder hierarchische Ebenen eines Unternehmens aufstellen.

Die Gemeinsamkeit zum Familienstellen liegt wiederum darin, dass auch bei Organisationsaufstellungen die dem Konflikt zugrunde liegende Dynamik sichtbar wird,
wie z.B. Fehlauffassungen von Zugehörigkeit und Reihenfolge eines Mitarbeiters zum Betrieb, Nichtwürdigung von Leistung und Einsatz oder Vermischungen von privaten und dienstlichen Kontexten. Erst recht gilt dies dann, wenn es sich um Familienunternehmen handelt, weil hier sichtbar werden kann, ob die Konflikte eher im Management des Betriebs oder der Besitzerfamilie ihren Ursprung haben.